Dienstag, 31. Dezember 2013

2013 – Ein grün-weißer Rückblick

Das Jahr 2013 neigt sich dem Ende entgegen. Die Hinrunde ist seit dem Heimsieg gegen Leverkusen gelaufen, Werder steht mit 19 Punkten auf Rang elf. Ein neuer Trainer sitzt seit dieser Saison auf dem Platz, den in den letzten 14 Jahren Thomas Schaaf hütete. Spieler, die sich des Nächtens heiße Duelle auf der Autobahn liefern, historische Heimniederlagen, ein Abschiedsspiel und Fans, die sich (teilweise) den Zusatz „Weltklasse“ anhängen dürfen, bestimmten in 2013 das Geschehen rund um die Weser. Ein kleiner Rückblick.

2013 begann übel. Ganz, ganz übel. Der amtierende Meister Borussia Dortmund war zu Gast und schoss uns zu Hause mit 0:5 ab. Ein Rückrundenstart, der nicht schlechter hätte laufen können. Auf Tabellenplatz zwölf stand Werder nach diesem Spiel, 22 Punkte auf dem Konto. Auch das zweite Spiel in 2013 wurde verloren. Ganz bitter mit 3:2 in Hamburg. Die nächsten Monate sollten Werder in der Tabelle nicht nach oben, sondern immer weiter nach unten rutschen lassen. Und als wäre das nicht genug, kamen noch teaminterne Probleme dazu.

Obwohl: Genau genommen waren die Probleme gar nicht so intern. Als in der Nacht vom 25.04. auf den 26.04. „Ich kauf dein Leben!“-Arnautovic und Eljero Elia mit gut 50 Stundenkilometer zu viel auf der Autobahn angehalten wurden, konnte man in Bremen geradezu hören, wie ein Fan nach dem anderen staunend aus allen Bäumen fiel. Mitten im Abstiegskampf haben die Beiden also nichts Anderes zu tun, als um drei Uhr Nachts mit einem kleinen, privaten Autorennen aufzuwarten. Herzlichen Glückwunsch und besten Dank, ihr Pappnasen. Das dachte sich wohl auch Thomas Schaaf und suspendierte die Beiden bis zum Saisonende. In der damaligen sportlichen Situation sicher mutig, aber alles andere wäre einfach nicht zu erklären gewesen. So hatte man zumindest zwei Sündenböcke ausfindig gemacht, die symbolisch für die Zerstreutheit Werder Bremens standen. Die Talfahrt des SVW wurde dadurch allerdings nicht aufgehalten. Ganz im Gegenteil. 

Nach dem 31. Spieltag stand Werder auf Platz 14. Gerade einmal zwei Punkte trennten unsere Équipe vom Relegationsplatz. Drei Spiele sollten noch kommen. Hoffenheim, Frankfurt, Nürnberg. Angst machte sich breit, das Abstiegsgespenst geisterte durchs Weserstadion. Die letzte Niederlage, ein 1:0 in Leverkusen, war entgegen der medialen Meinung nicht das letzte Spiel unter Thomas Schaaf. Zwar war es bereits die 15. Niederlage der Spielzeit, doch die Leistung bei Bayer 04 war stark. Ich möchte sogar fast von einer Kehrtwende sprechen. Wir alle haben die Aufmunterungsarie nach dem Spiel beim Werksclub vor Augen. Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich an den vollen Gästeblock denke, der weit nach Abpfiff die Mannschaft aus der Kabine lockte. Minutenlanger Dauergesang. „Thomas Schaaf olé“ und „Niemals zweite Liga“ hallen mir immer noch durch den Gehörgang. Die Mannschaft wusste, dass „wir“ hinter ihnen stand. „Wir“. Der zwölfte Mann. Immer wieder muss ich an Thomas Schaaf denken, der nach der gewonnen Meisterschaft 2004 davon sprach, wie fantastisch „wir“ war. Zu Zeiten des Erfolges wurde die Mannschaft mit jeder Angriffswelle noch lauter nach vorne gepeitscht, als zwei Minuten zuvor. Nun war es wichtig, dass wir Fans unsere Mannschaft auch in ganz schweren Zeiten unterstützen. Und das taten wir. Zu Hause gegen Hopp und Frankfurt gab es zwar „nur“ zwei Punkte, aber die sollten am Ende reichen, um den Abstieg abzuwenden. Es reichte allerdings nicht, um auch Thomas Schaaf zu retten. Das Ende einer Ära war besiegelt. Am 18.05. um 15:30 Uhr saß Thomas Schaaf nach 14 Jahren Amtszeit nicht mehr auf der Bank des SV Werder Bremen.
Als er dieses Amt vor 14 Jahren bekleidete, stand Werder kurz vor dem Abstieg. Mit drei Siegen in den letzten drei Bundesligaspielen blieb Werder erstklassig, einen Monat später holte grün-weiß unter Thomas Schaaf sogar den DFB-Pokal. Nun, 14 Jahre später, muss er gehen. Er hat Werder, wie schon am Anfang seiner Trainerkarriere, vor dem Abstieg bewahrt. Was bleibt, sind Erinnerungen. 

Zur neuen Saison, der Saison 2013/2014, übernahm Robin Dutt das Steuer an der Weser. Es gab eine Menge zu tun, sowohl für Dutt, als auch für Eichin. Der „neue“ Manager, stand nun vor der schwierigen Aufgabe, ein bundesligareifes Team zusammenzustellen, mit einem Trainer, den er nicht kannte. Dutt fand sich schnell ein, war begeistert von vorhandenen Strukturen und holte sich mit Cedric Makiadi auch gleich einen für ihn alten Bekannten aus Freiburg nach Bremen. Mit Caldirola und Garcia kamen zwei für die Abwehr dazu, di Santo sollte vorne neuen Schwung in den etwas schläfrigen Sturm bringen, der durch die feste Verpflichtung von Petersen weiter aufgestockt wurde. Arnautovic noch schnell nach England verkauft, Füllkrug verliehen und schon konnte die neue Saison losgehen. Juhu.
1. Runde Monaco DFB-Pokal war angesagt und es ging nach Saarbrücken. Es war heiß, es war eine strapaziöse Anreise und Werder fuhr als Pokaldepp nach Hause. 3:1 gegen einen Drittligisten und vom eigentlich schönen Pokalwettbewerb mal wieder nur die erste Runde mitgenommen. Das konnte ja was werden. Schon bevor die Saison richtig anfing, redeten sich die zahlreichen Experten wund. Werder: Abstiegskandidat Nummer 1. Allen voran „Kaiser“ Beckenbauer sprach Bremen jedwede Bundesligatauglichkeit ab. Zum Trotz gab es dann gleich mal zwei Siege in den ersten beiden Spielen. Braunschweig und Augsburg mit jeweils 1:0 besiegt, danach in Dortmund eine ganz glückliche 0:1 Niederlage eingefahren und schwupp, war Werder kein Abstiegskandidat mehr, sondern ein Geheimtipp auf die internationalen Startplätze. Ist klar.

Ein echtes Werder-Highlight in 2013 erlebten wir alle dann außerhalb der Bundesliga-Spieltage. Neben Abstiegsängsten, Torwartdiskussion und Sturmflaute, gab ein ganz großer Kämpfer seinen letzten Kick. "My last game in green" nannte er es. Torsten Frings, der Lutscher, gab sein Abschiedsspiel im Weserstadion. Nachdem Werder in der Bundesliga gerade gegen Frankfurt mit 0:3 verlor, brachte der Leader Glanz und Glamour zurück ins Weserstadion. Johan Micoud, Ivan Klasnic, Aaaaaaailton, Oliver Kahn, Michael Schumacher, Michael Ballack, Tim Wiese und natürlich Thomas Schaaf. Klangvolle Namen begeleiteten den ewigen Macher und Grätscher bei seinem letzten Mal Werder. Es war ein großartiger Abend. Der Micoud-Song hallte mehrfach durch die Kurven des Stadions, Thomas Schaaf bekam sein Abschiedsständchen gesungen und natürlich wurden auch noch aktive Ex-Bremer, nämlich Wiese, Diego und Naldo, gebührend gefeiert. Ein schöner Abend für Frings, der von seinen Töchtern vom Platz geholt wurde und ein schöner Abend für all diejenigen, die nun so richtig loslegen konnten, mit der Torwartdebatte. Und damit sind wir wieder zurück in der Bundesliga.


Dem kurzen Abenteuer in luftigen Tabellenplatzhöhen folgte ein rasanter Absturz. Niederlage folgt auf Niederlage und grün-weiß steht nach zwölf Spieltagen auf Platz zehn. Eins war bereits zu erkennen: Werder würde in dieser Saison weder den besten Sturm, noch die beste Verteidigung stellen. Dreizehn Tore, 20 Gegentore. Es lief nicht so recht an, was aber irgendwie gar nicht so wichtig ist solange man am Ende nicht absteigt. Und überhaupt: Werder hat in Hamburg und zu Hause gegen Hannover gewonnen. Eigentlich lief und läuft es also. ;-)
Was überhaupt nicht lief, war der 15. Spieltag. Konnte man sich bis dato immer mal wieder über irgendetwas beschweren, kam es am Nikolaustag so richtig happig. Sowohl Gelegenheits- als auch Vollzeitnörglern wurde ein Offenbarungseid geleistet und so gern ich diese 90 Minuten weglassen würde, komme ich nicht drum herum, auch dieses Spiel rückblickend zu erwähnen. Werder verliert zu Hause gegen Bayern mit 0:7. Die höchste Heimniederlage aller Zeiten. Spätestens jetzt war großen Teilen des Stadions die Lust am Fußball vergangen. Die Ersten gingen bereits nach dem 0:4 nach Hause (das war in der 60. Spielminute), andere gönnten sich vier Bier zu viel und pöbelten ununterbrochen gegen die eigene Mannschaft, wie man es nicht mal in der Kreisliga auf die Ohren bekommt. Diejenigen, die den Verein lieben, leben und nicht ohne ihn können, fuhren eine Woche später nach Berlin. Und es waren viele. Sehr viele. 8.000 Bremer/innen in der Hauptstadt. Das war mal eine Ansage und will erst einmal von irgendeinem anderen Verein nachgemacht werden. An der Niederlage änderte leider auch der gute Support nichts.
Und dann kam er. Der letzte Spieltag der Hinrunde. Freunde, was war das für ein Spiel. Weiter oben schrieb ich, dass Leverkusen in der letzten Saison eine Art Wendepunkt war. Und ich hoffe so sehr, dass es auch in dieser Saison so sein wird. Werder kämpfte Leverkusen am 17. Spieltag in Grund und Boden. Die Mannschaft spielte auf Augenhöhe mit dem Tabellenzweiten und bezwang ihn schlussendlich durchaus verdient. Garcia, wer sonst, bringt das Leder irgendwie im Tor unter, bevor die Werderwelt wieder in grün und rosarot zu funkeln begann. Ein zweitägiges Dauergrinsen brannte sich in mein Gesicht. Weihnachten stand vor der Tür und Werder brachte das schönste Geschenk schon vorab mit ins Stadion. Drei ganz wichtige Punkte. Wenn die Mannschaft so weiterarbeitet wie gegen Bayer 04, dann wird keiner mehr vom Abstiegskampf reden. Unbedingter Einsatzwille, Durchsetzungsvermögen und das nötige Quentchen Glück waren die Erfolgsfaktoren am letzten Spieltag und werden dies auch in der restlichen Saison sein.

Werder begann 2013 mit einer Niederlage gegen Borussia Dortmund und beendet selbiges Jahr mit einem Sieg gegen Bayer 04 Leverkusen. Es war ein bewegtes und bewegendes Jahr für alle, die es mit der Raute halten. Wir haben in Thomas Schaaf eine große und wichtige Identifikationsfigur verloren. Haben gegen den Abstieg gespielt, haben kleine Erfolge gefeiert, große Rückschläge hingenommen. Wir haben mit unserem Verein einiges durchgemacht und wir sind immer noch – oder gerade deshalb – Fans von Werder Bremen. Also, packen wir’s an und machen 2014 zu unserem Jahr. 
Einen guten Rutsch und bis zum 26.01. gegen Braunschweig!

Nur der SVW <3

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