Sonntag, 15. Dezember 2013

13.12., Bremen in Berlin



Freitag der Dreizehnte. Ein Unglückstag soll es sein. Ob man nun dran glaubt oder nicht, glücklich war ich nach dem Spiel in Berlin nicht. Werder mit einer ordentlichen Leistung, die am Ende wieder nicht belohnt wird. Schade. Die letzte Auswärtsfahrt der Hinrunde kann meinen Schnitt also auch nicht verbessern. Alle Spiele in der Ferne gesehen, nur zweimal gewonnen. Miserable Ausbeute meinerseits. Zumindest kann ich von mir behaupten, dass ich immer alles gegeben habe. Ein paar Impressionen aus der Hauptstadt. 

„Die Kurve singt für dich, egal was auch passiert. Ob du Meister wirst oder heute hier verlierst!“ Das wohl Zutreffendste, was die Kurve an Liedgut hervorgebracht hat. Zwar gab es in Berlin die achte Niederlage der Saison, doch Pfiffe, die anderenorts zum Tagesgeschäft gehören, blieben wieder aus. Stattdessen wurde über die vollen 90 Minuten ein durchaus ordentlicher Support ins Berliner Olympiastadion geschmettert und die Mannschaft auch nach dem Spiel vor dem Gästeblock besungen, statt beschimpft. Viele Gründe bot Werder für Letzteres auch nicht. 

Die Mannschaft fand ganz gut ins Spiel, stand hinten einigermaßen sicher und setzte nach vorne von Beginn an Akzente. Nach starker Vorarbeit von Aaron Hunt, der sein 200. Bundesligaspiel absolvierte – Gratulation dazu! –, nahm sich Petersen ein Herz und ließ Kraft aus der Distanz keine Chance. 1:0 nach einer viertel Stunde, perfekter Start! So hätte es gern weitergehen können. Aber, und das ist eben typisch Werder, nur zwei Minuten später gab’s Strafstoß für Hertha. Auch nach 1.899 Wiederholungen bin ich der Meinung, dass andere Schiedsrichter den nicht unbedingt pfeifen. Aber das ist dann wohl die Regelauslegung der heutigen Zeit. Berührung + Sturz = Elfmeter. Klar, Selassie geht da etwas zu unbeholfen rein, aber ich hab schon andere Fouls gesehen, die deutlicher waren und keinen Pfiff nach sich zogen. 

Nach dem Ausgleich passierte dann genau das, was uns schon gegen Bayern das Genick gebrochen hat: Die Mannschaft ließ sich vom Gegentreffer aus der Bahn werfen, verlor die Zweikämpfe, die man zuvor noch für sich entscheiden konnte und kassiert zwangsläufig und total unnötig das zweite Gegentor. Und bei dem Ding muss man den Herren Bargfrede und Caldirola die Frage stellen, ob sie überhaupt wissen, wie „Zweikampf“ geschrieben wird. Ganz schwach, von beiden. Ramos hingegen macht alles richtig und lässt Wolf keine Chance. Der arme Kerl. Da steht der gerade das dritte Mal im Tor, bekommt seinen dritten Elfmeter eingeschenkt und kassiert kurz danach Gegentor Nummer 13. Am 13. Dezember. Passt ja. 

Nach dem 1:2 zeigte Werder glücklicherweise wieder sein anderes Gesicht. Zwar war man gerade in Rückstand geraten, doch die Spieler begannen zu fighten. Überhaupt nicht unverdient markiert Hunt nur sechs Minuten nach dem zweiten Gegentor den Ausgleich. Ein starker Konter, eingeleitet und vollendet vom Torschützen persönlich. Gutes Ding!

Zu wenig gute Dinger bot unsere Elf leider in der zweiten Hälfte. Nach dem viel zu schnellen und super unnötigen 3:2 brachte Werder nicht mehr viel auf die Beine. Zu viele Fehlpässe und Ballverluste im Mittelfeld, gerade von Elia, ließen Hertha die Kontrolle über das Spiel an sich reißen. Zwar hatten Caldirola und Hunt noch die dicken Möglichkeiten zum Ausgleich, doch der Erste ist eben ein Abwehrspieler und haut die Direktabnahme knapp drüber und der Jubilar setzte seinen Freistoß kurz vor Schluss an den Pfosten. 

Viel Pech und zu viel Unvermögen in der Defensive haben Werder am Freitag in Berlin die Punkte gekostet. Ich weiß ja, dass wir keine Weltklassespieler in unseren Reihen haben, die Woche für Woche die Gegner schwindelig spielen oder Stürmer vor die Wand laufen lassen, aber Ordnung halten in der Abwehr muss doch möglich sein. Ich hab mir am Samstag das Spiel zwischen Augsburg und Braunschweig angesehen und muss sagen, dass die Abwehr des BTSV nicht viel unkoordinierter durch die Gegend läuft als die unsre. Da muss in der Winterpause definitiv dran gearbeitet werden, gern auch mit dem einen oder anderen Neuzugang. Namen schwirren ja schon seit geraumer Zeit durch die Katakomben des Weserstadions.

Ich habe die Befürchtung, dass die Saison eine ganz fiese wird, wenn sich da hinten nichts ändert. Wenn ich wählen könnte, hätte ich lieber ein nach vorne schleppend laufendes Spiel, aber dafür eine sattelfeste Abwehr, als das, was jetzt gerade passiert. Zwar spielt die Mannschaft ab und an einen richtig guten Ball und schießt mehr Tore als zu Beginn der Saison, aber dafür rappelt es hinten auch regelmäßig. Da spiele ich ehrlich gesagt lieber fünf Mal in Folge 0:0, als dass ich eines der Spiele gewinne und die anderen vier mit 1:3 verliere, nur weil ich gern attraktiver spielen würde. Ich glaube, wir haben bisher gesehen, dass sich momentan nicht beides vereinen lässt. Nicht mit dieser Mannschaft. Und das soll nun gar keine Generalschelte sein. Es ist einfach nur eine Feststellung der Tatsachen. Entweder bauen wir auf eine sichere Abwehr und versuchen, ein Spiel auch mal 1:0 zu gewinnen, oder wir rennen ins offene Messer. Diese Entscheidung liegt natürlich bei Robin Dutt, aber ehrlich gesagt, gibt es nur eine Maßnahme, die er treffen kann: Nämlich die, die er auch zu Beginn der Saison durchgesetzt hat. Hinten dicht, vorne auf einen guten Konter oder das Glück hoffen. 

Wo ist denn jetzt im Moment der Unterschied zu dem, was Thomas Schaaf in Bremen gemacht hat? Ich sehe keinen! Unter Schaaf versuchte die Mannschaft immer offensiv zu glänzen, kassierte hinten zu viele Tore und verlor Spiel um Spiel. Und heute? Die Saison fing super an, man gewann ein Spiel dann halt mal dreckig mit 1:0 und eigentlich war alles gut. Aber dann fing wieder das Genörgel auf den Tribünen an. „Die spielen einen scheiß Fußball!“, „Das ist doch nicht schön, so kannst du nicht dauerhaft auftreten“, bla bla bla! Verwöhntes Bremisches Fußballvolk! Genau dieses Rumgelaber, sei es von Seiten der Medien oder von den Fans, hat Robin Dutt doch dazu verleitet, in der Offensive mehr in die Waagschale zu werfen. Und genau das hat die Mannschaft auch schon zig Punkte gekostet. In meinen Augen war Dutt zu Beginn der Saison auf einem guten Weg, hat sich aber zu schnell reinreden lassen. Gegen Leverkusen kann der Trainer dann bitte wieder zum Konzept der ersten Wochen zurück kehren und alles in die Abwehr stellen, was er zur Verfügung hat. Spiel doch den langweiligsten Fußball der Welt, schietegal. Wenn am Ende genug Punkte auf dem Konto stehen, fragt keiner mehr nach der Art und Weise. Nur: Sollten die Punkte nicht ausreichen, wird mehr als nur kritisch hinterfragt.

1 Kommentar:

  1. Dutt hat sich null komma null reinreden lassen. Das lässt allgemein kein Trainer der Bundesliga zu. So viel offensiver haben wir auch gar nicht gespielt, aber es werden einfach pro Spiel viel zu viele Fehler gemacht. Darüber hinaus hatten wir - bis auf DO auswärts - ein leichtes Auftaktprogramm mit den Mannschaften verglichen die später in der Saison kamen und diese Fehler halt ausnutzen...

    Zu verkürzt dein Denken und viel zu leicht gemacht so die mäßigen Leistungen zu erklären

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