Montag, 30. September 2013

Ein bisschen wie früher

Werder gegen Nürnberg. Das klingt erst mal nicht besonders attraktiv. Zwei Traditionsteams, die immer mehr zur grauen Maus werden. Versprach anfangs nicht viel, geb ich ja zu. Dass es am Ende sechs Tore zu bestaunen gab, wovon drei der Kategorie „richtig lecker!“ zuzuordnen waren, wird den neutralen Zuschauer überrascht und gefreut haben. Mir persönlich wäre es lieber gewesen, Werder hätte es beim 2:0 belassen und die drei Punkte in der schönsten Stadt gelassen. Haben sie aber nicht. 


Halbzeit 1 – Wie geil war das denn!?

Strahlender Sonnenschein und trotzdem nicht zu heiß. Eigentlich richtig gutes Fußballwetter, sowohl zum Gucken als auch zum Kicken. Pünktlich zum leidigen Sonntagsspiel zeigte sich Bremen von seiner Sonnenseite und Werder sollte alles dafür tun, um den Aufwärtstrend aus dem gewonnenen Nordderby zu bestätigen. Die Laune in unserem kleinen Häufchen war ebenfalls gut, obwohl vor dem Spiel wieder irgendein Penner (ja, solltest du das lesen, fühl dich ruhig persönlich angegriffen) mit Bechern warf. Wir standen diesmal auf der rechten Seite hinter Caillera, weil wir etwas spät dran waren und wurden dafür gleich belohnt. Der erste Becher flog in Richtung Fahne, der zweite auf einen unserer Köpfe. Ich weiß nicht wie eingeschränkt oder besoffen man sein muss, aber anscheinend gibt es genügend Holzköppe in der Kurve, die ihren Heidenspaß daran haben, die Becher nach vorne zu werfen. Holt euch euren Pfand ab und kauft euch irgendein Lehrbuch oder ‘ne Wendy, mir egal. Aber lasst das Gewerfe!

So, Fußball. Werder war in der ersten Halbzeit mehr als Überlegen. Der gezeigte Fußball erinnerte stark an alte Zeiten. Vor allem Garcia wusste zu überzeugen. Hinten stark, vorne gefährlich. Von Anfang an unterstrich der Argentinier seine Stammplatz-Ambitionen und machte mächtig Dampf über links. Der hat mal richtig Bock auf die Bundesliga. Da ist es doch umso schöner, dass gerade Garcia das 1:0 erzielte. Klar, das Ding war noch abgefälscht und kann gut und gerne als Eigentor gewertet werden, aber die scharfe Hereingabe, die letztendlich im Tor der Cluberer landete, löste im Weserstadion kollektive Erleichterung aus. Endlich wieder eine frühe Führung. Torschütze Garcia nutzte die Gelegenheit für ein Bad in der Menge. Einstand: Gelungen.

Nach dem Tor machte Werder weiter Druck und hatte mehrere Gelegenheiten zum 2:0. Vor allem über die linke Seite, die von Garcia, wurde es immer wieder gefährlich. Es dauerte dann auch nur bis zur 34. Minute, da fiel endlich das zweite Tor. Elia mit Gefühl in die lange Ecke. Das erste Bundesligator von Elia für Werder. Endlich! Auch dem war in den letzten Wochen immer wieder anzumerken, wie sehr er seinen Stammplatz will. In Hamburg hat er das 1:0 per Hackentrick mit eingeleitet, gestern dann macht er das 2:0 höchst persönlich. Richtig lecker, das Ding!

Richtig lecker, aber auch völlig überflüssig dann das 1:2 für Nürnberg. Nach einem klaren aber nicht gepfiffenen Foul an Makiadi unterläuft ausgerechnet Garcia einen Aufpraller und Kiyotake nagelt den Ball mit Vollspann ins Netz. Folglich war die Stimmung im Stadion stark gedämpft und es machte sich eine gewisse Angst bemerkbar. Auch bei mir. So ein 2:0 hört sich zwar immer schön an, ist aber überhaupt nichts wert.

Halbzeit 2 – Wie unnötig war das denn!?

In der zweiten Halbzeit bestätigten sich alle schlechten Gefühle. Werder kam völlig verunsichert aus der Kabine und vom Hurra-Fußball der ersten Halbzeit war nur noch wenig übrig geblieben. Hinten waren nun alle Türen offen, eine Flanke von rechts kann der eingewechselte Drmic im Tor unterbringen. 2:2. Da haben wir den Salat.

Das Spiel war nun ziemlich ausgeglichen, die besseren Chancen hatte aber Werder. Vorerst. Nachdem Lukimya mit seinem Kopfball knapp scheiterte, konnte Eljero Elia mit einem absoluten Zucker-Sahne-Sonntagsschuss die erneute Führung erzielen. Gute 20 Meter Torentfernung, Volley drauf, kein Problem. Hinterher sagt er im Stadioninterview noch, dass er ja eigentlich am Fuß verletzt, das Tor aber trotzdem ganz stark war.

3:2, FriedeFreudeEierkuchen? Nö, nicht mit Werder. Das 3:3 war schnell erzielt, da wollte Nürnberg mehr. Einzig Miele, der ein riesen Spiel machte, hielt den Punkt am Ende fest.

Wie dem auch sei, ich bin mit dem Spiel von Werder ganz zufrieden. In der ersten Halbzeit wurde richtig guter Fußball gezeigt, der Lust auf mehr macht. Das man sich am Ende für eine gute Leistung nicht belohnt kennen wir ja bereits aus der letzten Saison. Einen bitteren Beigeschmack hat das Spiel dennoch, bedenkt man, dass die ersten beiden Gegentore aus klaren Fehlentscheidungen des Schiedsrichters resultierten. Natürlich wurde bei den Buden auch nicht gut verteidigt, aber ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und sage, dass die Tore nicht fallen, wenn Werder den Freistoß bekommt (2:1 Anschlusstreffer) bzw. das Ziehen gegen Elia nicht als Stürmerfoul gewertet wird (2:2). Sorry, aber diese Entscheidungen waren einfach ein Witz. Wie dem auch sei, 3:3, hat man auch nicht alle Tage.

Nächsten Samstag geht es für Werder – und für mich – nach Stuttgart. Während die Mannschaft schon des Öfteren im Schwabenland gastierte, bin ich zum ersten Mal da. Und ich freu mich wie ein kleines Kind im Sandkasten. Obwohl es die Ticketpreise echt in sich haben (17,60€ für ‘nen Steher!) wollen wir uns Stuttgart nicht entgehen lassen. Reicht ja, dass ich gegen Freiburg nicht ins Stadion kann. Der VfB hat am Sonntag 4:0 in Braunschweig gewonnen, was wieder etliche Werderfans auf den Schirm ruft. „Das wird ganz böse in Stuttgart“, „spielstarke Mannschaft“, „da ist nichts zu holen“. Bla bla bla. Ein Unentschieden holen wir da mindestens. Und wenn Werder über 90 Minuten so spielt, wie gegen Nürnberg in der ersten Hälfte, dann steht auch dem dritten Auswärtssieg der Saison nichts mehr im Wege.

Also, auf nach Stuttgart. Alles für den SVW  

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