Dienstag, 24. September 2013

DERBYSIEGER



21.09.2013. Der große SVW gewinnt mit 2:0 beim unsympathischen der beiden Hamburger Clubs. Nach den letzten Leistungen, vor allem der gegen Frankfurt, konnte man da nicht wirklich von ausgehen. Obwohl Hamburg blau in Dortmund mit 6:2 unter die Räder kam, war von Optimismus nichts zu spüren. Zu tief saß der Stachel nach dem 0:3 gegen die SGE. Als der H?V dann auch noch Trainer Fink entließ, war die Niederlage perfekt. Vielerorts wurden die derbsten Klatschen prognostiziert. Gut nur, dass sich die Mannschaft davon nicht beeindrucken ließ und gegen Hamburg endlich wieder einen Dreier einfuhr. Weiterlesen.
Die Anreise

Werder gegen die ewigen Loser. Was ist das immer für ein Trara im Vorfeld. Kein Jahr vergeht, ohne dass mindestens ein großes Boulevardblatt die Sensations-Nachricht parat hat. Früher hieß es Jahr für Jahr, dass Ivan Klasnic so gern wieder in seiner Heimatstadt kicken würde. Dieses Jahr war es plötzlich Thomas Schaaf, der angeblich schon in Hamburg unterschrieben hätte. Wahnsinn, was sich die vier großen Buchstaben immer wieder einfallen lassen. Ungeachtet dessen, planten wir unsere Reise nach Hamburg. Zwei Autos sollten wir brauchen, auch wenn zwei Mitfahrer kurz vor dem großen Tag noch absagen mussten. Es gibt eben wichtigeres, als Fußball. Also zu acht nach HH. A1 und Elbtunnel stellten wider Erwarten keine großen Hindernisse dar, sodass wir pünktlich um 13:10 „Parkplatz braun“ erreichten. Wie gern hätten wir einen anderen Parkplatz angesteuert und den Waldmarsch gemieden. Dieser alljährliche Spießroutenlauf machte uns alle etwas nervös, stellte sich aber als unproblematisch heraus. Da hat man auch schon anderes erlebt. Völlig tiefenentspannt kamen wir am Gästeblock an, tranken noch schnell das warme Flaschenbier vom Supermarkt daheim aus und betraten die „Wie-auch-immer-gerade-getauft“-Arena.

„Aber bitte mit Maske“ – erste Angriffsversuche

Die ersten Angriffsversuche der Partie fanden statt, bevor der Schiedsrichter das Spiel überhaupt angepfiffen hatte. Nein, bevor er und die Mannschaften überhaupt daran dachten, den Rasen zu betreten. Wie schon im letzten Jahr, gab es einen Angriff der CFHH auf den Gästeblock. Diesmal versuchten die Hamburger es über den Unterrang, während sie im letzten Jahr noch die „Adrian unvergessen“ Choreo im Oberrang stören wollten. Ein Knall, dann ein paar Laute „EY“-Rufe und plötzlich waren sie da. Mackerhaftes rumgehüpfe, Sturmhauben, geballte Fäuste. Feuer frei, für die Chosen Few. Was für ein Affentheater. Lange mussten sie jedenfalls nicht warten, da hüpften die ersten Bremer über den Zaun des Gästeblocks und das muntere Stelldichein der fliegenden Fäuste durfte beginnen. Passend zum Auftakt des Oktoberfests flogen Brezn in, und Bierbecher aus dem Gästeblock. Nach wenigen Augenblicken ruderten die ersten CFHH’ler heftig mit den Armen und deuteten den Rückzug an, während andere den Weg nach unten suchten, um diesen Teil des Gästeblocks zu begutachten. Hier stießen dann auch die Cops dazu, die mit massig Pfefferspray in die Menge gingen, Bremer zurück in den Gästeblock hievten und ein paar Hamburger festnahmen. Einer der festgenommenen verlor dabei seine Hose. Ich sag mal so: „Mama ist stolz auch dich“.
Ich frage mich nun, wie um alles in der Welt ein solcher Angriff zu stande kommen kann. Ist ja nicht so, dass da nur zehn Hamburger beteiligt gewesen wären. Ich würde die Gruppe auf 30-50 Personen schätzen. Bei dem Haufen an Polizei und Ordnern, der da im Stadion herumlief, muss es doch ein paar Leuten auffallen, dass sich da eine größere Gruppe zusammentut und in Richtung Gästeblock marschiert. Gerade nach den Vorkommnissen der letzten Saison. Ist mir schon klar, dass die nicht alle zusammen gelaufen sind, aber wenn immer wieder kleine Grüppchen an mir vorbei kommen, die ich alle dem selben Kern zuordnen kann, dann werde ich doch zumindest skeptisch und weise meine Kollegen darauf hin. Wurde offensichtlich nicht getan, weshalb ich Erich Kästner zitieren möchte, der einst sagte: „An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die Schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.“ Es gab auch mal einen Banner in der Ostkurve, der dieses Zitat aufleben ließ. Als kleiner Wink mit dem Zaunpfahl. 

Fußball. Endlich Fußball.

Dann wurde irgendwann auch Fußball gespielt. Zwar in der ersten Halbzeit nicht vom HSV, dafür aber von Werder. Da erinnerte nichts mehr an den fahrigen Auftritt gegen Frankfurt. Die Pässe kamen einigermaßen beim Mitspieler an (wobei eine Passquote von 68% echt noch sehr ausbaufähig ist), Zweikämpfe wurden angenommen und gewonnen und die Abwehr strahlte größtenteils echte Sicherheit aus. Das ein oder andere Mal erinnerte der gezeigte Fußball an fast vergessene Zeiten, zu denen die Tore nur so zelebriert wurden. So geschehen beim 1:0. Elia mit der Hacke auf Fritz, der legt den Turbo ein, spielt den Ball durch den Strafraum auf Petersen und Nils beendet seine Torflaute per Abstauber. Endlich! Die völlig verdiente Führung nach etwas mehr als einer halben Stunde.

In der zweiten Halbzeit machte Werder dann zu wenig, woraufhin Hamburg unser Tor geradezu belagerte. Echte Torchancen entstanden dabei aber nur selten, obwohl Werder mittlerweile sowohl im Zweikampfverhalten als auch in der Passgenauigkeit extrem nachgelassen hat. Und wenn es dann doch mal gefährlich wurde, war Miele zur Stelle. Der, das muss man auch erwähnen, machte ein fehlerfreies und gutes Spiel! Genau wie Santiago Garcia, der als linker Verteidiger absolut überzeugte. 
Beim H?V hingegen wusste niemand so recht zu überzeugen. Van der Vaart’s Freistöße landeten alle samt in Mielitz‘ Armen und in der Abwehr spielte Stellingen mehr als verunsichert. Zwei Mal konnte Petersen den Ball früh im Mittelfeld erobern und leitete dadurch riesen Chancen ein, die beide in Tore umgemünzt werden mussten. Doch zuerst scheiterte Petersen selbst am besten Hamburger - René Adler - und danach bekam Prödl völlig frei vorm Tor den großen Flattermann und schob das Leder am Kasten vorbei. Die Angst, dass sich das noch rächen könnte, war am Ende unbegründet. Die nächste schlechte Hereingabe vom  wankenden Holländer konnte Mielitz abfangen, seinen Abschlag wusste Petersen clever zu verarbeiten und nach dem Doppelpass mit Gebre Selassie dann gefühlvoll im leeren Hamburger Tor unterzubringen. 2:0 Auswärtssieg und wieder einmal Derbysieger. 

Ob dieser Sieg die von mir im letzten Blog prophezeite Kehrtwende war, wird man gegen Nürnberg sehen. Die sind am kommenden Sonntag zu Gast im Weserstadion und sollten die drei Punkte eigentlich in Bremen lassen. Obwohl die Cluberer zuletzt einen Punkt gegen Dortmund holen konnten, sehe ich uns als Favorit. Es muss jetzt zu Hause einfach ein paar Siege geben und Nürnberg und Freiburg sind dafür genau die richtigen Gegner.

Also, bis demnächst, ihr Derbysieger!

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