Donnerstag, 31. Oktober 2013

Keine Stürmer, keine Tore, keine Punkte. Werder in Wolfsburg

Dass dieser Tage beim SVW keine Wunder zu erwarten sind, dass dürfte bei jedem/jeder angekommen sein. Dass es in Wolfsburg „nur“ drei Gegentore gab, lag einzig und allein an Sebastian Mielitz und ein klein wenig am Fußballgott. Impressionen, Meinung und Ausblicke: Weiterlesen!



Spiel gelaufen nach sieben Minuten. So lange dauerte es, bis Wolfsburgs Mann der Stunde, Maxi Arnold, die Arena per Direktabnahme zum Brodeln brachte. Kleiner Scherz, da brodelte überhaupt nichts. Über den Wolfsburger Stehplätzen prangten noch die Lettern der Scham, die folgende, lyrisch hochwertige und ansprechende Unmutsbekundung verbreitete: „Ihr brachtet Schande über Verein und Stadt – habt gezeigt, dass ihr es nicht verstanden habt.“ Es gab während des Spieles noch einige dieser poetischen Meisterwerke zu betrachten. Grund dafür, wie sollte es auch anders sein, das verloren gegangene „Derby“ gegen Eintracht Braunschweig. Wieso Derby in Gänsefüßchen? Weils keins ist. Basta. Die Braunschweiger lachen sich ins Fäustchen, wenn man denen zum Derbysieg gegen Wolfsburg gratuliert. Für mich alten Fußballromantiker hat so ein seelenloser Werksclub wie der VfL einfach nicht das Recht, ein Derby für sich zu beanspruchen. Dann würde man die ja auf eine Stufe mit echten Vereinen stellen und Spiele wie  Schalke gegen Dortmund abwerten. Dat isn Derby, liebe Freunde. Braunschweig gegen das VW-Spielzeug nicht.
Nun ja, zurück zum Spiel. Arnold trifft für Wolfsburg und der „Derbyfrust“ der Gastgeber war wie weggeblasen. Gleichzeitig gab ich jede Hoffnung auf einen Punkt beim VfL auf und schloss mich wieder der singenden Gefolgschaft an. Die ließ sich vom Gegentor nicht beirren und supportete, was  das Zeug hielt. Wieso auch nicht. Schon im Zug nach WOB merkte man allen Mitreisenden an, wie viel Motivation vorhanden war. So wurde die Reise nach Niedersachsen unter dem Motto „Scheiß drauf, Wolfsburg ist nur einmal im Jahr!“ angegangen, im Stadion durchgezogen und auf der Rückfahrt veredelt. Ich sag nur: „Rauchmelder“.
Zwischen all dem Support wurde dann auch Fußball gespielt. Allerdings nicht von Werder – leider. Wolfsburg spielte guten Fußball, scheiterte im Abschluss immer wieder am bärenstarken Sebastian Mielitz. Schön für ihn, bringt mich aber nicht wirklich zum Toben, zumindest nicht vor Freude. So schwach, wie Werder am Samstag in der Abwehr war, habe ich sie lange nicht mehr gesehen. Zwar kassieren wir deutlich weniger Gegentore als in den letzten Jahren, aber, um es mal freundlich auszudrücken, wir haben dabei auch den Fußballgott auf unserer Seite. In Wolfsburg hatte der Fußballgott dann mal Handschuhe an und stand bei uns im Kasten. Good job, Miele!

Nach der schwachen erste Hälfte konnte man die Punkte getrost abschreiben. Das schienen die Jungs auf dem Feld auch getan zu haben. Da war ja überhaupt nichts mehr. Kein Einsatz, kein Aufbäumen, keine Torgefahr. Mielitz' lange Bälle köpfte Naldo ein ums andere Mal gnadenlos hinten raus, Sololäufe von Yildirim oder Hunt scheiterten am fehlenden Stürmer und hinten war einfach keine Ordnung drin. Logische Konsequenz: Wolfsburg trifft. Zum Glück taten "die Wölfe" das erst sehr spät, sodass man am Ende noch dankbar sein kann, dass es nur ein 3:0 wurde.

Spiel war also nicht so geil, dafür aber der Support. Wie schon geschrieben, war es ein kollektives Ausrasten über 90 Minuten. Hohe Mitmachquote, die Leute haben gut durchgehalten und zwischendurch konnte ein "Wölfe in den Zoo" für den ein oder anderen Lacher sorgen. Traumhaft war's! Gerne weiter, gerne öfter!

Nach dem Spiel ging es dann schnurstracks raus aus dem Streichelzoo und ab zum Bahnhof. Großartige Szenarien spielten sich ab. Ein völlig betrunkener Mann im Mittelalter, der in den maßlos überfüllten Zug wollte und mal locker 6-7 Minuten mit nem Cop stritt und sich bei diesem über die Bahn beschwerte - lauthals. Menschen, die durch die geöffneten Zugfenster in den Zug einstiegen und dann noch dieses plötzliche und kollektive verschwinden der Polizei am Bahnhof. Da hat wohl einer der Cops das Geheimwort für "STRAßENRENNEN!" ausgesprochen. Plötzlich rannten sie in ihre Autos und entschwanden in die Nacht. Einfach schön. Abschließend die Zugfahrt von Hanoi nach Bremen mit Dauerbeschallung, Wonderwall und dem Öffnen der falschen Türen. Großartig.

Schön ist es gewesen. Wolfsburg ist einfach immer eine Reise wert. Obwohl die Stadt nichts hergibt, das Stadion kein besonders schönes ist, es keinen bemerkenswerten Support von der Heimseite gibt und das bargeldlose Bezahlen in WOB die allergrößte Katastrophe ist, macht es einen heiden Spaß, dieses Konstrukt und seine Konsumenten auf den Rängen mit dem zu plätten, was es dort eben nicht gibt. Mit Unterstützung, in guten wie in schlechten Zeiten.

Wollen wir doch mal hoffen, dass am Sonntag gegen Hannover wieder gute Zeiten eingeläutet werden. Ich sehne mich nach einem Heimsieg, ihr euch sicher auch. Also tun wir alle was dafür. Hinfahren, Rücken stärken, Werder nach vorne peitschen. Verlieren tut niemand gern und erst recht nicht mit Absicht. Keep that in mind.

Bis dahin, alles für Werder!

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