Donnerstag, 4. September 2014

Gemischte Gefühle


Zwei Spiele sind gespielt, zwei Punkte geholt. In Berlin und zu Hause gegen Hoffenheim spielt unsere Elf jeweils Unentschieden. Und in beiden Spielen hat grün-weiß die erste Halbzeit komplett in den Sand gesetzt. Nun kann man sich einerseits über zwei schwache Halbzeiten ärgern, oder sich über eine ordentliche und eine ganz, ganz starke freuen. Ich kann mich nicht so recht entscheiden.


„Wir spielen Fußball mit Herz!“ (Robin Dutt)

Was Werder in beiden Spielen bewies: Ein Rückstand macht die Mannschaft nicht kaputt. Das 2:0 in Berlin wurde binnen weniger Minuten egalisiert, die Hoffenheimer Führung nur durch Pech nicht zu einem Heimsieg umgebogen. Beide Male konnte das Team Herz und Moral beweisen, zeigte, dass Charakter in der Truppe steckt, worüber man sich selbstverständlich freuen darf. Um es aber in den Worten von Burning Bush zu sagen:

„Herz und Moral sollten einem zukünftig hin und wieder “den Arsch retten” dürfen – aber nicht mehr als Kernkompetenz angeführt werden.“

Und genau darüber würde auch ich mich tierisch freuen. Es wird Tage geben, da will einfach nach vorne nichts gehen. Da kommt der Gegner ein einziges Mal vors Tor und schaufelt die Kugel irgendwie rein. Wenn du an solchen Tagen mit Herz und Moral anstelle von durchdachtem Fußball einen Punkt holst, dann bin ich der Letzte, der sich darüber beschwert. Gegen Hertha und gegen Hoffenheim waren es jedoch andere Gründe, die Herz und Moral unabdingbar machten: Nämlich die spielerische Einfallslosigkeit.

In beiden Spielen wusste Werder im ersten Durchgang nicht, wie um alles in der Welt sie aus der eigenen Hälfte kommen sollen. Das einzig ausgetestete Mittel waren lange Bälle, die zu 80% beim Gegner landeten. Das eigene Mittelfeld, von welchem ich eigentlich viel halte, wurde komplett ausgeschaltet. Gegen die Hertha konnte Werder sogar noch von Glück sprechen, dass es zur Halbzeit nur 1:0 stand. Allein Schieber hätte das Spiel schon im ersten Durchgang entscheiden können.
Gegen Hoffenheim das gleiche Bild. Getreu dem Motto: „Hoch und weit bringt Sicherheit“ kloppte Werders Verteidigung einen Ball nach dem anderen nach vorne. Torgefahr? Nicht einstudiert.
Welch Ironie, dass Hoffenheim dann ausgerechnet durch einen langen Ball hinter Werders Abwehrreihe zum 1:0 Torerfolg kam. Schönes Ding übrigens, wenngleich Fritz und Wolf ziemlich schlecht aussahen.
Ein Glück, dass die Truppe in beiden Spielen den Schalter umlegen und ausgleichen konnte. Gegen Hoffenheim sah es zwischendurch sogar nach richtig gutem Fußball aus. Und trotzdem will bei mir keine richtige Freude aufkommen. Versteht mich bitte nicht falsch: Die an den Tag gelegte Moral ist großartig und auch spielerisch hatte Werder einiges zu bieten. Nur leider zu spät. Ich bin mir relativ sicher, dass es gegen andere Mannschaften, wie z.B. Leverkusen, eine gewaltige Reise gibt, sollte Werder in der ersten Halbzeit nicht mitspielen.
Ich würde mir einfach wünschen, dass bei Werder so etwas wie ein Konzept im Spiel nach vorne durchschimmert - und zwar von Beginn an. Die Mannschaft hatte die gesamte Vorbereitung lang Zeit. Gegen Chelsea hat Werder mit bärenstarken Kontern ein klasse Spiel gemacht. Wo sind diese Konter geblieben? Sowohl gegen Hertha, als auch gegen Hoffenheim kam nur viel zu selten ein gefährlicher Gegenangriff zustande, obwohl Werder beinahe durchgehend verteidigen musste. Ein bisschen mehr erkennbares Konzept, das ist es, was ich mir für die nächsten ersten Halbzeiten wünschen würde.

So, das soll reichen. Bis zum nächsten Bundesligaspiel ist noch etwas Zeit, um Prozesse zu optimieren und sich auf das Spiel bei Bayer vorzubereiten. Sollte die Mannschaft so auftreten wie in der zweiten Halbzeit gegen die TSG, dann bin ich guter Dinge. Wieso denn nicht mal den Pillen ans Bein pinkeln?

Bis dahin

Nur der SVW  <3  

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