Freitag, 18. September 2015

Phoenix aus der Asche

Einige Zeit ist vergangen, seitdem Robin Dutt nicht mehr auf unserer Trainerbank sitzt. Unter Skripnik gab es einige Veränderungen. Personell, taktisch, mental. Die Mannschaft hat sich verändert. Zum Positiven, wenn man mich fragt. Unter Skripnik bekam der eine oder andere Spieler die Chance, die ihm unter Dutt verwehrt blieb. Manche konnten aufleuchten, andere nicht. Einer aber fällt ganz besonders auf. Clemens Fritz.


Es wird Zeit, dem dienstältesten Spieler unseres Teams ein paar huldigende Worte zukommen zu lassen. Fritz stand in den letzten Jahren mehr in der Kritik, als jeder andere Feldspieler des SVW. Bei Gegentoren war er häufig zu langsam, stand schlecht, verlor den Ball. Auf seiner damaligen Position als rechter Verteidiger häufig Fehler katastrophalen Ausmaßes.
Während wir Unwissenden darauf hofften, Skripnik würde Fritz auf die Bank verbannen, hatte der neue Coach ganz andere Pläne. Zwar gab auch er Fritz einen neuen Platz, doch dieser befand sich auf und nicht neben dem Feld. Zur Verwunderung vieler spielte Fritz von Woche zu Woche sicherer. Das Verschieben des Kapitäns ins Mittelfeld zeigte sofort Wirkung.
Das unwissende Fanvolk tat die guten Leistungen des Werder-Opas als kurzes Aufflackern ab. Ein letztes Zucken vielleicht, bevor es dann in die Rente geht. Alte Knochen, müde Augen. Fritz passe einfach nicht mehr in den modernen Fußball.
Solcherlei Aussagen kommen natürlich auch bei den Spielern an. Die leben ja nicht auf Bäumen. Vielleicht dachte sich Clemens Fritz, dass er es uns Unwissenden jetzt einfach noch mal richtig zeigen will. Vielleicht musste er das aber auch gar nicht denken, sondern einfach nur auf "seiner" Position spielen.
Aus dem kurzen Aufflackern wurde ein Dauerzustand. Fritz spielte immer stabiler und mit ihm auch der SV Werder. Mit einem Mal ließ "der Alte" seine Gegenspieler im Mittelfeld stehen, spielte tatsächlich den einen oder anderen Hackenpass und - viel wichtiger als all das - wurde zu einem echten Leader.


Maul auf, Arsch hoch!


Fritz' Körpersprache spielt dabei eine gewichtige Rolle. Er zeigt, dass er absolut keine Lust darauf hat, Punkte abzugeben. Er kämpft, er beißt, er spielt, er schreit. Letzteres muss in Richtung Schiedsrichter nicht immer sein, zeigt aber, dass er mit vollem Herzen dabei ist. Und: Er gibt der Mannschaft damit ein unmissverständliches Signal: Arsch hoch!

Die Rolle, die Fritz innerhalb der Mannschaft spielt, mag sich seit dem Trainerwechsel nicht groß verändert haben. Kapitän war er, Kapitän ist er. Die Außenwirkung ist mittlerweile jedoch eine ganz andere. Ich kann für mich sagen, dass ich kein schlechtes Gefühl mehr im Bauch habe, wenn Clemens auf dem Platz steht. Ganz im Gegenteil: Spielt er nicht, ist da ein Loch. 
Ich war selbst kein großer Fan vom Achter. Das ändert sich momentan. Solche Leute im Team zu haben ist Gold wert. Das Alter spielt da dann ganz schnell eine marginale Rolle. Schaue ich mir das Spiel in Hoffenheim an und sehe, dass ein Uli Garcia erschöpft raus muss, während Fritz weiter rennt, scheint diese Mär vom "zu alten Spieler" ohnehin ad absurdum geführt worden zu sein. 

Ob man Clemens Fritz nun mag oder nicht, man kann ihm nicht nachsagen, dass er nicht alles für den SV Werder geben würde. Das tut er in jeder Sekunde. Und momentan tut er das in einer Qualität, die ihm wohl niemand mehr zugetraut hätte. Er ist seit Monaten eine der Leitfiguren im Team, bringt Erfahrung und spielerische Qualität auf den Platz. Und das, obwohl er längst totgesagt war. Dafür möchte ich Danke sagen und meinen allerhöchsten Respekt aussprechen. 
Ganz stark, alter Mann. Keep rockin'!


Nur der SVW.

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